DAS TON­BAND

Um die grundlegende Bedeutung des Ausgangsmaterials für eine LP-Produktion zu verdeutlichen, mag der folgende Vergleich hilfreich sein: Für ein exzellentes Menü benötigt man die allerbesten Zutaten. Auch die sorgsamste Zubereitung kann später die mangelnde Qualität des Rohmaterials nicht ausgleichen.

Das Roh­material

Heutzutage wird die überwältigende Mehrheit der aktuell erhältlichen LP-Produktionen von CD-Mastern, CDs oder gar MP3s gefertigt. In unseren Augen denkbar schlechte Zutaten, denn wenn grundsätzlich Übereinstimmung darüber besteht, dass durch die Digitalisierung Informationen verloren gehen, so ist dieser Informationsverlust bereits in der digitalen Quelle codiert und auch das beste Vinylmastering kann diese Informationen nicht wieder hervorzaubern. Ebenso hat das Plattengewicht von 180 gr oder höher darauf keinerlei Einfluss mehr.

Die Ausgangsquelle ist von alles entscheidender Bedeutung und aus diesem Grund werden die Lackfolien für Speakers Corner Records Produktionen direkt vom originalen, analogen Masterband geschnitten, in seltenen Ausnahmen vor einer analogen 1:1-Kopie. Da zu diesem Thema immer wieder Fragen aufkommen, nachfolgend einige Fakten.

Das Master­band

Als das Masterband wird im Allgemeinen die Quelle bezeichnet, von der eine LP geschnitten wird – wie entsteht das Masterband?

Bereits in den späten 50er Jahren setzten sich im Studio Mehrkanal-Aufnahmen durch, bis hin zu 48 Kanälen in der 70er Jahren. Für den Schnitt einer LP-Lackfolie muss aber eine Mono- oder Stereo-Abmischung vorhanden sein, eine Abmischung während des Lackfolienschnitts ist praktisch nicht möglich. Zum Teil wurde daher bereits während der Aufnahme auf Stereo abgemischt (z.B. bei den Klassikaufnahmen von Decca), in den meisten Fällen wurde die Abmischung später im Studio vorgenommen, das neue Band ist dann das Masterband.
Nun könnte man bei der Produktion einer audiophilen LP zu einer früheren Generation als dem Masterband zurückgehen, soweit noch vorhanden. Eine eigene Neuabmischung sehen wir aber als einen Eingriff in den künstlerischen Prozess. Da zudem keine Bandgeneration eingespart werden kann – es muss ja wieder ein neues Masterband angefertigt werden – sehen wir von der Verwendung solcher Bandquellen ab, sofern das originale Masterband in gutem, verwendbarem Zustand ist.

100% analog

Der Großteil der Urheberrechte an unseren Veröffentlichungen liegen bei Universal, Sony und Warner. All diese Majors unterhalten eigene Bandarchive, an der amerikanischen Ost- und Westküste, in London und in Deutschland. Wir arbeiten weltweit mit Studios zusammen, die autorisiert sind, mit den Originalmastern der jeweiligen Majors umzugehen. So werden z.B. die Lackfolien von Warner-Titeln bei Cohearent in Kalifornien, DGG-Titel bei EBS in Berlin geschnitten.

Speakers Corner Records garantiert 100% analoge Produktionen. Wir limitieren uns also auf Titel, die während der Mitte der 50er bis zu den späten 70er Jahren analog aufgenommen wurden und auf Vinyl-LP veröffentlicht wurden, also keine Schellacks oder 10″ EPs. Die verwendeten Bänder sind somit zwischen 40 und 60 Jahre alt. In den frühen 80er Jahren setzte sich die digitale Aufnahmetechnik flächendeckend durch. Titel mit Digitalaufnahmen sind, mit einer Ausnahme, in unserem Katalog nicht zu finden.

Die Qualität entscheidet

Magnetbänder altern und mehr als nur ein Mal mussten wir eine geplante Veröffentlichung wegen eines nicht mehr verwendbaren Masterbandes aufgeben.
Ein Problem dabei ist der schleichende Verlust hoher Frequenzen: die bei der Aufnahme erfolgte Magnetisierung des Bandes lässt über die Jahre bei kleinerer Wellenlänge eher nach als bei tiefen Frequenzen.
Ein weiteres Problem sind Vor- oder Nachechos: dadurch, dass die Bänder aufgewickelt lagern, kopieren einzelne pegelstarke Impulse mit der Zeit auf die darunterliegende (Vorecho) oder darüberliegende Bandschicht (Nachecho).

Blick in das Bandarchiv von Universal Music

Erste Hilfe

Ofen zur Erwärmung von Magnetbändern

Häufig löst sich auch das Bindemittel zwischen Träger- und Magnetschicht des Bandes. Hier hilft es, das Band zu „backen“, es also über einen gewissen Zeitraum vorsichtig zu erwärmen, wodurch der Kleber wieder seine Funktion erfüllt und das Band für eine gewisse Zeit normal abspielbar wird.

Keine digitale Reparatur

All diese Probleme sind nicht vorhersehbar und auch nicht die Regel. Wir hatten schon Originalmaster aus den 50er Jahren, die nicht einen der vorgenannten Effekte aufwiesen, aber auch Bänder aus den 70er Jahren, die im analogen Bereich nicht mehr nutzbar waren. Entscheidend ist hierbei die Qualität des Bandmaterials und die jahrzehntelange Lagerung, bei der die Vorgaben für Raumtemperatur und -feuchtigkeit gleichbleibend eingehalten werden müssen.
Wichtig für uns ist: wenn das Originalmaster nicht verwendbar ist, sehen wir von der Veröffentlichung ab – es wird nicht digital „repariert“.